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| ein Tag Ende November 2007 Der stürmische Wind spielt auf dem Brückengeländer, erzeugt Töne gleich einem Choral: Selbst die Engelchen stimmen heute wieder in das Getuschel ein, üben fast selbstvergessen, studieren zuguter-letzt ein neues Stück ein, proben unermüdlich einen noch nie dargebotenen Choral. Aus voller Brust singen sie, begleitet von Harfen und allen sonstigen Instrumenten, die unerläßlich sind, einen Choral im weiten Rund klang-voll ertönen zu lassen. Allerdings aufpassen müssen die Engelchen, sich arg vorsehen, auf der Hut sein. Vor-sehen, dass sie keine nassen Füße bekommen - so wie Ekkenekkepenn respektive das steinerne Standbild von ihm. Denn heute, am hellichten Nachmittag, da kam mal wieder das Wasser, kam von allen Seiten gleichzeitig, kam mit Macht, viel Strömung und unruhigem Wellengang angeströmt, ließ die Halllig langsam in den Fluten versinken, machte Ekke's Füße naß, umspülte ihn, schickte ihn langsam doch stetig immer weiter auf Tauch-gang. Doch der Meeresgott hatte noch ein Einsehen mit seinem Freund, mit Ekkenekkepenn, dem guten Geist des Meeres. Der Meeresgott ließ das Wasser zwar steigen und steigen, dann jedoch, quasi im letzten Moment und eigentlich nicht mehr erwartet, da stoppte er die unaufhörlich heran strömende Meeresflut. Gerade so rechtzeitig, dass Ekkenekkepenn zumindest noch über das ihn umgebende, im wahrsten Sinne des Wortes exakt bis zum Hals stehende Wasser schauen konnte, die Engelchen auf dem gerade noch zehn Zentimeter aus dem Wasser ragenden Brückengeländer Halt und trockene Füße behielten, damit ungestört von den das "Landunter" bewirkenden Fluten ihre zarten und doch wiederum volltönend-kräftigen Stimmen gegen den Wind, gegen die Sturmböen stellen konnten. Ja, sie kamen sogar gegen das Sturmgebraus an, übertönten es, erfreuten viele gefiederte Zweibeiner - und nicht nur die, nein, auch uns! Der Choralgesang wehte auf die Warft, überbrückte die wenigen Meter von der kleinen nun im Wasser versunkenen, unpassierbaren Brücke zu unserer Warft. Und wer kommt da plötzlich angelaufen?! Wer erfreut sich offensichtlich ebenfalls an der Musik, am Gesang - oder ist's einfach nur ein "der Not gehorchen"?! Eine Spionin ist's, die aus dem im Wasser versinkenden Riet schleicht, sich trockene Füße bewahren und in etwas höher gelegene Gefilde retten will: eine Spionin namens Laura. Die Spionin Laura, die - seit ein gewisser Halliggast sie in ihr Herz geschlossen hat - immer wieder, immer öfter um unsere Warft schleicht, immer wieder versucht, hier ihr Domizil zu nehmen. Mit keiner Wimper zuckt sie, läßt sich mit nichts anmerken, dass sie nicht willkommen geheißen wird - weil hier niemand ein Teichhuhn haben möchte, das die mühselig gehegten und gepflegten kleinen Halligärten plündert, die zartesten Pflänzchen und selbst kräftigeres Grünzeug abnagt, jegliche Ernte zunichte macht. Merkt sie's denn gar nicht, dass wir sie nicht haben wollen, auch jetzt im Winter nicht?! Ja, nur dieser eine Feriengast hat sie in sein Herz geschlossen, hat Mitleid - doch der ist weit weg, kann ihr nicht helfen - hoffentlich nicht! Am späten Nachmittag läuft das Wasser langsam wieder ab, gibt die von den Nordseefluten umspülten, von den kalten und dunklen Fluten eingefangenen Warften wieder ein ganzes Stück mehr frei - allerdings nicht voll-ständig, die Hallig bleibt noch immer überflutet. Wir bleiben auf unsrer Warft "gefangen", können weder die kleine Brücke passieren noch einen Weg laufen. Schon heult der sich kurzfristig auf etwas mehr Bedacht besinnende Sturm wieder kräftiger, duldet keine Widerrede und keine Bagbüxe. Ja, ein weiteres "Landunter" in der kommenden Nacht ist nicht nur zu befürchten sondern wird zur Gewissheit, der immer heftiger tobende Sturm lässt keinen Zweifel an seiner Stärke, spielt seine ganze Dominanz aus, sein ihm vom Tiefdruckgebiet zugewiesenes eigenes Recht. Der Vollmond schaut ab und an aus den Wolken hervor, beobachtet alles was da kreucht und fleucht, ihm entgeht keine Bewegung, keine Regung auf der Hallig. Hin und wieder entlädt sich - mit immer noch stärker auffrischendem Wind - eine tiefschwarze Wolke, entlädt sich geräuschvoll und kräftig-naß. - Ach, wie schön ist's doch hier drinnen, anheimelnd und gemütlich, bei warmem Kerzenschein, grünem Tee, Nürnberger-Lebkuchen, "klösterlichen" Schoko-Dinkelkeksen sowie Niederegger-Leckereien ... die allerletzten Novembertage in 2007 / der rote Bernstein: Der rote Stein funkelt und strahlt nur so. Er erstrahlt mit neuer Kraft, mit neu eingefangener Sonnenkraft, frisch aufgetankt mit Wärme und Licht - und er verzaubert "Don Lanzo", den hinter ihm liegenden, fasziniert auf ihn schauenden Bajazzo. Gestern war's möglich die Sonne einzufangen, in ihm, dem roten Bernstein. Den ganzen Tag strahlte die Sonne vom pastellblau-farbenen Himmel. Ein wunderschönes Morgenrot hatte bereits den über-raschenderweise windstillen Tag eingeleitet. Trotz der Prognose "Windstärke 5-6" besann sich der Wind eines Besseren, legte sich noch vor dem Sonnenaufgang schlafen, ließ unseren frühen Wattspaziergang unmittelbar nach Sonnenaufgang zum Erlebnis werden. Und endlich bevölkerten mal wieder etliche, sich in der letzten Zeit sehr rar machende Karlchen das Watt, erfreuten uns mit ihrem "'Dividevid-dividevit-dividevit", unterstützten die Piepänner (Piepenten) und Rödbeen (Rotschenkel) im morgendlichen Konzert ... Selbst die Gartenarbeit ging nachmittags gut von der Hand, fast fertig sind wir nun mit allen typischen bzw. not-wendigen Herbstarbeiten. Die vielen sonst den zähen Kleiboden auflockernden, im Boden ungestüm rumtobenden Regenwürmer scheinen bereits den Winterschlaf angetreten zu haben. Tief vergraben harren sie der Dinge, er-warten ganz offensichtlich in diesem Jahr einen harten und sehr kalten Winter. Na, mal sehen, ob die Zeichen der Natur sich tatsächlich bewahrheiten oder aber trügen. Heute nun gibt's tatsächlich mal einen richtigen Herbsttag - die absolute Ausnahme. Ein Herbsttag wie wir ihn bis dato noch nicht erlebten, jedenfalls nicht in diesem Jahr. Grau - allerdings noch trocken - fing der Tag an, weckte nicht gerade überschäumende Fröhlichkeit. Der Wind frischte wieder auf und pünktlich zum Ende des Wattspaziergangs setzte ein wenig Nieselregen ein. Ein wenig Nieselregen nur, doch der geht durch und durch. Er wabert in dicken Schwaden über die Hallig, lässt die in gar nicht weiter Ferne liegenden Warften grauer, dunk-ler und fast schon abweisend erscheinen, hüllt sie mal mehr, mal weniger naß-kalt und unfreundlich ein. Und so setzt sich der Tag fort, grau, mal etwas feuchter, kurzfristig mal wieder etwas trockener aber trotzdem nicht unbedingt einladender. Nein, das ist heute ein Tag zum drinne bleiben, ein Tag, von denen wir nicht mehr haben müssen, den wir uns nicht wieder ersehnen. Ein Tag, wie viele Menschen ihn sich als typischen Herbsttag an der Nordsee vorstellen, einer, der den Begriff "Husum, die graue Stadt am grauen Meer" geprägt haben könnte. Doch wie viele solcher Tage gibt es hier? Ganz ganz wenige nur, in den letzten Jahren gab's keinen "typischen" November, keine naß-kalten und grauen Novembertage, nein, die trockenen und sonnigen Tage dominierten ab-solut, erinnerten mehr an "goldenen Oktober" als an "grauen November", gingen übergangslos in einen freund-lichen Dezember über. Und dass ab und an ein Sturm über die Hallig tobte, das ist normal, das hat nichts mit "November" zu tun, Stürme gibt es zu jeder Jahreszeit, selbst mitten im schönsten Sommer ... ein Tag im Juli 2007 ... vom zweiwöchigen Landaufenthalt zurück. Es gibt ja so viel zu berichten. Von dem schlimmen Sturm, der gleich in der ersten Woche unserer Abwesenheit aufzog, der über der Nordsee und über den Halligen tobte, der vor nichts Halt machte, der so viel in der Natur und im Garten zerstörte. Und doch muß ich mich wundern, wie sich - wenn auch nicht alle - so doch viele Pflanzen wieder erholen, sich in kürzester Zeit wieder aufrappeln, sich besinnen und zum neuen austreiben und blühen ansetzen, ihre Stärke beweisen und uns dadurch vielleicht ein wenig über Verluste hinweg trösten, ein wenig erfreuen wollen. Einfach phantastisch! Auf der Hallig selbst gab's oberflächlich gesehen keine größeren Schäden durch Sturm und Landunter, die Hallig-Landwirte hatten rechtzeitig das Vieh auf die Warften gebracht. Allerdings haben Karlchen und seine Sippe - sofern die Jungen noch nicht geschlüpft und groß genug waren - wie viele andere Brutvögel auch ihre Brut, ihren Nachwuchs verloren. Das die Hallig überflutende Nass, das sich von nichts aufhalten, das nichts an seinem Fleck lassende Wasser zerstörte alles, nahm alles mit sich fort, interessierte sich nicht für junges, gerade beginnendes Leben, fragte nicht nach zerstörtem Leben, nach dem Tag danach. Nur die Feriengäste freuten sich, waren begeistert, endlich mal so einen "richtigen" Sturm und dazu noch ein richtiges Landunter zu erleben - und das zu einer Jahreszeit, in der man eigentlich nicht darauf hoffen kann. Ja, nur an die Folgen eines solch widernatürlichen Ereignisses mitten im Sommer, an die Folgen für die Natur, für die kleinen Lebewesen, die sich nicht wehren, die nicht weglaufen können, an die denkt in dem Moment natürlich niemand - zumal das ja auch abseits von den Warften passiert, mehr oder weniger im Verborgenen. Aber wie gesagt, zumindest in der pflanzlichen Welt hat sich vieles zumindest halbwegs wieder erholt. Gerade gestern sprach ich noch davon, daß ich am Wochenende ein paar Aufnahmen machen will, von den so pracht-voll blühenden Malven, den herrlichen Sonnenblumen und den vielen, vielen anderen, prachtvoll blühenden Pflanzen. Doch das wird wohl ein Wunsch bleiben - denn heute, in der Nacht, da baute sich ein neuer Sturm auf, entwickelte sich immer weiter. Ja, nun stürmt es wieder ohne Ende, verweht zur Zeit alles, was es nur zu verwehen gibt, lässt weder kräftigem "Grünzeug" noch zarten Pflänzchen eine Chance. Und das, obwohl das nächtliche Gewitter uns nur am Rande traf. Ich darf gar nicht in den Garten schauen ... | |
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