Halligparadies

Sonne, Wind und Meer ... Faszination Halligwelt, Naturpark Wattenmeer ... Wildgänse, Wasser-, Wat- und Zugvögel ... ein Leben zu Grootmoderstieden und heute ... mit dem Austernfischer Karlchen, Nordmeertrollen, Seeteufelchen, Ekkenekkepenn ...

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30. November 2008 - 1. Advent
Stille liegt über der Hallig, Stille liegt über der See, über dem Wattenmeer. Ein wenig Nebel umhüllt die Warften, ein wenig Nebel wabert über das Wasser, lässt die Nachbar-hallig nur erahnen.
Wo ist das fröhliche Lachen, das Singen, Pfeifen und all das Getummel auf dem kleinen Eiland wie auch auf dem Wasser denn geblieben? Wenige Gänse nur sind's, auch nur wenige Watvögel, die sich blicken lassen, wenige Rufe von ihnen, die die Stille unterbrechen. Selbst die Schosterjungs, die "Junggesellenbande" der Austernfischer, finden sich am heutigen ersten Advent nicht zum üblichen Spektakel zusammen. Nein, nur ein paar we-nige von ihnen sitzen am Deich, harren fast regungslos der kommenden Dinge, harren weitgehend still der kom-menden Flut. Dazwischen schallt ab und an ein Pfiff durch die Luft, weithin übers Wattenmeer - wer ist das nur, der so respektlos die Stille zerreißt? Doch wohin der Blick auch schweift, wohin die Ohren auch die Augen diri-gieren - das noch so aufmerksame Auge vermag den Übeltäter nicht zu erhaschen, keine Menschenseele weit und breit! Ein neuerlicher Pfiff, nein, mehrere bahnen sich ihren Weg durch die Luft, werden ein wenig vom Nebel verschluckt, dann weggetragen. Dazwischen der aufgeregte, immer wieder ein wenig traurig klingende Ruf eines Rødbeen (Rotschenkels), und auch Karlchen - unser Austernfischer - meldet sich ab und an zu Wort, bestätigt der gesamtem Halligwelt mit unverkennbar freudigem "Dividevit-Dividevid-Dividevid" seine sonntägliche Unternehmenslust. Schon beeilen sich die Pfeifenten, mit ein paar neuerlichen Pfiffen wieder Verwirrung zu stiften - doch das wird nicht gelingen. Nicht mehr!
Für einen Moment breitet sich wieder Stille über der Hallig aus, bevor ein Graugänseschwarm mit zufriedemem Geschnatter die sanften Nebelschwaden durchzieht, sich in unserer fast unmittelbaren Nähe auf der Fenne nieder lässt. Über dem Wasser, nur wenige Seemeilen entfernt, beginnt das Leuchtfeuer seinen allabendlichen Dienst, dann, wenn der erste Dämmerungsschimmer am Horizont aufzieht. Allerdings ist's Heute nur ein schwa-cher, diffuser Schein, ein vom Seenebel gedämpfter und so garnicht mehr weithin sichtbarer, heller Lichtkegel. Ob das so sein soll, dass am heutigen 1. Advent nur ein Leuchtfeuer sichtbar wird, da, wo wir ansonsten gan-ze vier, manchmal gar fünf an der Zahl ihre Dienste ausüben sehen? Ein Leuchtfeuer als Symbol für die erste brennende Kerze am Adventskranz? Die Antwort bleibt uns verborgen, Ekkenekkepenn gibt sie nicht preis. Nur eines verrät er uns: er fühlt sich wohl, sehr wohl sogar in diesem schummrigen Licht, in dieser fast geisterhaf-ten Stimmung. Und das will was heißen, schließ-lich mag er gar nicht so gerne die ruhige, wellenlose See, den schlafenden Wind, die über Land und Wasser ausgebreitete Sille, nein, er liebt die tosende, die sturmgepeitsch-te See, das Tauchen durch unbändige Wellentäler und -höhen, wenn große, rasendschnell dahineilende Wolken-berge den Himmel mal verdunkeln, dann wieder die klare Nacht und die weithin scheinenden Leuchtfeuer freigeben.
Die Dämmerung verstärkt sich rasch, die Konturen der Hallig verschwinden mehr und mehr, Land und Wasser werden eins - und das gar nicht mal weit weg am Horizont. Die Graugänse werden gleich nicht mehr zu sehen, nur noch zu hören sein, und auch Rødbeen sowie Karlchen lassen sich gleich nur noch durch ihre unverkennbaren Rufe orten. Die Pfeifenten beenden ihr spätnachmittägliches Pfeifkonzert, stellen für den Moment ihre Rufe ein, geben sich ganz dem Zauber des auf stillem Wasser wogenden Nebels hin.
Der helle Teil des ersten Advents neigt sich sanft und doch unwiederbringbar dem Ende entgegen, der dunklere Teil versprüht ab sofort seinen Zauber, ruft zum gemütlichen und besinnlichen Beisammensein in warmer Stube auf ...

10. November 2008
 
                                         
 
          mit jeder Woge überspült das Wasser den Deich, nur ein kleiner                                      längst kann der Deich die Nordsee nicht mehr aufhalten, längst hat
         Trupp der "Schosterjungs", die ganz besonders Mutigen, verteidigt                                  die Nordsee die Fenne achter de Diek unter Wasser gesetzt, längst
         noch immer unbeirrt seinen Platz am Deich, aber auch die weniger                                   mußten die Schosterjungs ihren Standort am Deich aufgeben - und
         Mutigenhaben längst keinen sicheren Platz mehr                                                           trotzdem, nasse Füße haben sie alle
                                
 
 

 

                                                             immer mehr Karlchens, immer mehr Schosterjungs kommen angeflogen, retten sich

                                                             vor dem anströmenden Wasser auf die wenigen noch verbliebenen Grassoden ...

 

Noch ist der Zeitpunkt des heutigen Hochwassers nicht ganz erreicht, eine halbe Stunde wird es noch dauern. Die spannenden Fragen, die nicht los lassen: um wieviele Zentimeter wird der Pegel noch steigen, wird die Hallig voll laufen, das erste richtige Landunter in diesem Herbst den Freiraum von Mensch und Tier auf das Engste begren-zen? Ein bißchen werden die Antworten auf sich warten lassen, viel kann noch passieren. Der derzeit recht gleichbleibende Sturm, die eingestreuten Orkanböen können sich ganz schnell verstärken, die derzeit nicht arg bedrohliche Windrichtung kann sich blitzschnell in eine ungünstigere Richtung kehren, nur wenig bedarf es da, um einen in mancher Augen ungemütlichen, in anderer Augen ob der Naturgewalten faszinierenden Abend zu be-kommen. Allerdings, die Zeichen der Natur, das Verhalten der Vogelwelt, das spricht nicht dafür. Längst wären die Schosterjungs näher an die Schutz bietenden Warften gekommen, längst hätten sie ihren unsicheren, feuch-ten Standort gegen einen sicheren eingetauscht. Doch das tun sie nicht, sie sind sich ihrer Sache sehr sicher, genießen fast - wie's den Anschein macht - das nach wie vor unvermindert über den Deich schwulernde Wasser, die fast ungehindert von blauem Himmel scheinende Sonne.

So wie in den letzten Tagen schon mal, so wie in der kommenden Woche noch zweimal, die Austernfischer und all die anderen können sich auf ihren Instinkt verlassen! Das an einigen Stellen der Hallig beginnende Landunter setzt sich nicht fort, der Wasserpegel bleibt auf unbedrohlichen Höhen stehen, keine ungünstigen Einflüsse verändern in letzter Minute die Situation. Schon mit dem nachfolgenden Niedrigwasser geht der Wasserstand so weit zurück, dass das Grün der Fennen und auch die überfluteten Teilstücke der Straßen wieder frei von Wasser fallen, von Mensch und Tier ihrem ursprünglichem Gebrauch zugeführt werden können.