Halligparadies

Sonne, Wind und Meer ... Faszination Halligwelt, Naturpark Wattenmeer ... Wildgänse, Wasser-, Wat- und Zugvögel ... ein Leben zu Grootmoderstieden und heute ... mit dem Austernfischer Karlchen, Nordmeertrollen, Seeteufelchen, Ekkenekkepenn ...

Start     das Hallig-Buch     die Halligwelt     Halligleben aktuell     das etwas andere Tagebuch     Koch-Show     Hallig-Gerichte     Kontakt      
November     Oktober     September     August     Juli     Juni     Mai     April     März     frühere Episoden      
 
Mitte September 2008
Vieles gibt's zu berichten, viele Erlebnisse, Beobachtungen und erlebnisreiche Tage warten darauf, in Worte gefasst und zu Papier respektive auf den Computer gebracht zu werden. Da gab's den 6. Hooger-Trachten-sommer mit vielen Darbietungen von und mit vielen wunderschön in alter Festtagstracht gewandeten Gästen. Nicht nur aus unmittelbarer Nachbarschaft, den nordfriesischen Inseln, kamen sie sondern auch vom Festland bis hin zur "anderen", zur zweiten Küste Schleswig-Holsteins, der Ostsee, dem Angeliterland. Schon die Über-fahrt zur Hallig wurde zum Erlebnis. Nicht zuletzt weil der Wettergott Wort hielt und dem Vortag - ich könnte auch Vorbereitungstag sagen -, also einem fantastisch schönen Samstag einen mindestens genauso schönen Sonntag folgen ließ. Wer dachte da noch an die vorangegangenen Tage, wer konnte da das stürmische Inter-mezzo nicht genauso schnell wie komplett vergessen!
Die Sonne tat ihr Bestes, sie lachte und strahlte vom blauen Himmel, überflutete die Hallig mit zauberhaftem Licht, tauchte das kleine Eiland in zauberhaft schöne Farben und sorgte obendrein noch für angenehme Wärme - die Erinnerungen an den Sommer kamen schnell zurück. Der Wind wiederum mäßigte sich selbst, blies auch an diesem Fest-Tage nur mit gebremster Kraft, sorgte mit seiner angenehmen Brise für ein allen Anwesenden genehmes Klima: weder wurde es den Tänzern vor, während und nach ihren Tanzdarbietungen zu warm noch den Zuschauern zu kühl. Und was taten unsere vielen Hallig-Mitbewohner? Ja, die Möwen, Austernfischer, Rotschenkel und hin und wieder ein paar Graugänse auf der einen Seite sowie gepflegte, saubere Zottischafe auf der anderen Seite wetteiferten mal mit dem Akkordeon, mal mit der aus der Konser-ve kommenden Musik, versuchten dabei immer wieder zu überzeugen, dass man auch nach ihrer Musik tanzen könne. Doch das klappte nicht so recht, zu hoch waren die Anforderungen der Tänzer an gleichmäßige Takt- und Melodienfolge, zu eigenwillig, intuitiv und ihren eigenen Vorstellungen folgend spielten die Musikkanten der Natur auf - sozusagen unbeirrt von dem, was sich vor dem Hallig-Hus abspielte. Nur hin und wieder, da verstummten sie mal für einen kurzen Augenblick, staunten über die tollen Darbietungen, staunten über die wehenden Röcke, wunderten sich auch mal über den ein wenig eigenwillig anmutenden Kopfschmuck einzelner Trachten, dann wiederum über die Unmenge an bunten Luftballons, die plötzlich - von allen Teilnehmern gleichzeitig losgelassen - in den Himmel entschwebten. Da blieb ihnen vor lauter Staunen buchstäblich der Schnabel offen stehen ...
   
 
  
  
   
 
 
 
Eigenartige Geräusche stören plötzlich die Nachtruhe, schrecken auf. - Was ist das? - Merkwürdig, Geräu-sche sind's, die einerseits neu und unbekannt klingen, wach rütteln, die andererseits  jedoch irgenwann und irgendwo schon mal im Ohr klangen. Also nochmal horchen, in der dunklen Nachtwelt orientieren, zurechtfin-den - ist es Traum oder Wirklichkeit? Hm, momentan sieht's mehr nach Traum aus, vielleicht gar nach einer geheimnisvollen Botschaft, die Ekkenekkepenn übermitteln wollte. Denn Stille überzieht die Hallig, so als sei nichts gewesen. Nur ein paar Austernfischer machen in der Ferne die Nacht zum Tag, veranstalten ein klei-nes Spektakel. Ob sie gerade wieder auf dem Sommerdeich sitzen, vielleicht 200 bis 300 Meter von uns ent-fernt, den Amrumer Leuchtturm, das "an- und ausgehende" Leuchtfeuer auf der Satteldüne beobachten und auf das ablaufende Wasser warten, um dann das Watt zu erobern? Wahrscheinlich, vom Gezeitenstand her-gesehen sogar sehr wahrscheinlich. Ja, relativ still ist sie geworden, die Kolonie der Austernfischer, die nächtlichen "Konzerte" gleichen nicht mehr denen des Sommers, das "Spektakel" ist längst nicht mehr so durchdringend, nein, viel ruhiger verhalten sie sich. Nur der große Trupp der "Schosterjungs", die lautstarke Unterhaltung der Junggesellenbande vermag noch eine Vorstellung zu geben, wie die Nächte vor gar nicht so langer Zeit klangen. Eigenartig, noch kürzlich wünschten wir uns manche Nacht ein wenig ruhiger - und jetzt? Jetzt vermissen wir bereits das lautstarke nächtliche "Dividevid-Dividevit-Dividevit".
Noch immer liegt Stille über der Hallig, taucht der nicht mehr ganz runde Mond das Halligland in diffuses Licht, spiegelt sich hier und da hell und gleißend im Priel. Weiter weg - in der Ferne und doch so nah - bricht sich der Mondenschein im Nordseewasser, reflektiert hell und funkelnd, lässt sogar die kleine Hallig Norderoog klar erkennen. Einige durch ihre Positionslichter leicht auszumachende Krabbenkutter nutzen sicher den hel-len Schein für ihre Zwecke, bereiten die Netze für den Einsatz vor, dann, wenn in Kürze wieder Niedrigwasser herrscht. Die hoch am wolkenlosen Himmel stehenden Sterne bewachen funkelnd das Geschehen, das fried-licher nicht wirken könnte. Ist es die Faszination des Mondenscheins, der Zauber der funkelnden Sterne oder die Magie der Ruhe, die vereinzelt und urplötzlich mal einen Rotschenkel und mal einen anderen Watvogel zum Ruf in der Nacht animiert? Oder sind's wieder die Austernfischer, die ihre gefiederten Mitbewohner in diese unvergessliche Nacht akustisch einbeziehen?
Und dann sind sie wieder da, die Geräusche, erst leise und kaum wahrnehmbar. Sachte verstärken sie sich, kommen langsam auf das Haus zu. Wie ein sanftes, dann immer heftiger werdendes Rauschen hört es sich an. Dann werden Rufe hörbar, besser gesagt ein Gemurmel, ein sehr typisches, nach "Krk-krk-krk" klingt es. Nicht lange dauert es, schon werden die Rufe, wird das Gemurmel wieder leiser, entfernt sich das Rauschen. Doch der recht abrupte Abbruch des nächtlichen Geräusches lässt vermuten, dass der "Landeplatz" nicht sehr weit unserer Warft entfernt liegt. Nun, das tut er auch nicht, schließlich  sind's nicht mehr als 50 Meter bis zum Wasser. Und auf dem Wasser haben sie sich auch niedergelassen, da, wo sie sich immer von ein-brechender Dunkelheit bis zur Helligkeit am Folgetag hinbegeben, da, wo sie in Sicherheit sind vor möglichen Feinden.
Am frühen Morgen sehen und begrüßen wir sie, mehrere Hundert Ringelgänse, die ersten, die in diesem bald beginnenden Herbst den Weg auf unsere Hallig gefunden haben, die ersten Ringelgänse auf dem Rückflug vom Brut- zum Überwinterungsgebiet. Am 18. September sind sie angekommen, mitten in der Nacht, eine lange Zeit werden sie uns jetzt noch begleiten - und wir sie, bevor sie weiterziehen. Das Wattenmeer füllt sich wieder, immer mehr Leben und Treiben ist zu beobachten, jeden Tag kommen neue Zugvögel, um hier zu ruhen und sich zu laben, mal sind's kleine Singvögel, dann wieder kleine wie große Wat- und Wasservögel. Und wenn dann noch so ruhiges, klares Spätsommerwetter mit leicht herbstlichem Anstrich herrscht wie derzeit, dann gibt's nichts Schöneres als "raus in die Natur"!